Metaphysik
Akt und Potenz
Veraenderung ist verstehbar, weil ein Seiendes von einer Faehigkeit zur Aktualitaet uebergehen kann.
Potenz nennt eine reale Faehigkeit; Akt nennt Erfuellung oder Bestimmtheit. Die Unterscheidung erklaert Bewegung, Entwicklung, Begrenzung und den Unterschied zwischen endlichen Geschoepfen und Gott.
- Potenz ist nicht pures Nichts, sondern geordnete Faehigkeit zur Vollendung.
- Reiner Akt sagt man von Gott, weil in ihm keine unerfuellte Potenz bleibt.
- Viele thomistische Beweise setzen diese Unterscheidung voraus, bevor sie sie ausdruecklich nennen.
Metaphysik
Wesen und Sein
Was ein Ding ist und dass es ist, sind im Geschoepf verschieden.
Das Wesen beantwortet die Frage nach der Natur oder Washeit; das Sein beantwortet, ob das Ding wirklich ist. Der Thomismus versteht geschaffene Seiende als Empfaenger des Seins und nicht als selbsterklaerende Realitaeten.
- Diese Unterscheidung begruendet Teilhabe und geschoepfliche Abhaengigkeit.
- Sie erklaert, warum kontingente Seiende sich nicht selbst tragen.
- In Naturtheologie und Schopfungsmetaphysik wird sie zentral.
Metaphysik
Substanz und Akzidens
Eine Substanz existiert in sich; ein Akzidens existiert in einem anderen.
Die Unterscheidung schuetzt den Unterschied zwischen dem, was ein Ding grundlegend ist, und den veraenderlichen Eigenschaften, die ihm zukommen. So kann der Thomismus praezise ueber Identitaet im Wandel sprechen.
- Farbe, Quantitaet und Relation sind klassische akzidentelle Bestimmungen.
- Die Substanz ist kein verborgenes Objekt hinter Erscheinungen, sondern das tragende Seiende selbst.
- Die Unterscheidung ist sowohl fuer Ontologie als auch fuer Sakramententheologie wichtig.
Natur
Form und Materie
Materielle Substanzen bestehen aus dem, was bestimmt wird, und dem, was bestimmt.
Materie ist das Prinzip der Potentialitaet in koerperlichen Dingen; Form gibt Aktualitaet, Erkennbarkeit und Art. Zusammen erklaeren beide Entstehung, Vergehen und die Einheit des leiblichen Wesens.
- Form ist nicht bloss aeussere Gestalt, sondern das Prinzip, das ein Ding zu dem macht, was es ist.
- Materie erklaert Individuation und Wandel in koerperlichen Seienden.
- Die Seele wird als substantielle Form des lebendigen Leibes verstanden.
Anthropologie
Natur
Natur nennt ein inneres Prinzip der Taetigkeit, das auf charakteristische Ziele hingeordnet ist.
Nach einer Natur zu fragen heisst zu fragen, was fuer ein Seiendes etwas ist und wie es zu handeln geeignet ist. Thomistische Ethik und Politik haengen von dieser Lehre stabiler menschlicher Kraefte und Gueter ab.
- Natur steht nicht gegen Vernunft; zur menschlichen Natur gehoert Rationalitaet.
- Natuerliche Neigungen sind Hinweise auf Gueter, nicht blosse Impulse.
- Gnade setzt Natur voraus, weil sie reale Kraefte eines realen Subjekts vollendet.
Ethik
Habitus
Ein Habitus ist eine stabile Qualitaet, die ein Vermoegen zum guten oder schlechten Handeln disponiert.
Habitus erklaeren, warum wiederholtes Handeln den Handelnden veraendert. Sie machen Handlungen leichter, schneller und innerlich passender. Darum ist moralische Bildung fuer Thomas mehr als eine Reihe einzelner Entscheidungen.
- Tugenden und Laster sind Arten von Habitus.
- Habitus gehoert zu Kraeften wie Intellekt und Wille, nicht nur zu aeusserer Routine.
- Ohne Habitus gaebe es keine stabile Form moralischen Wachstums.
Ethik
Tugend
Tugend vollendet ein Vermoegen zum guten Handeln gemaess Vernunft und letztlich gemaess Gnade.
Fuer Thomas ist Tugend nicht bloss Regelbefolgung. Sie ist eine Vortrefflichkeit, die Begehren, Urteil und Handlung auf das wirkliche Gute ordnet und den Menschen fuer hoehere Ziele bereitet.
- Moralische Tugenden formen das Begehren; intellektuelle Tugenden vollenden das Erkennen und Urteilen.
- Klugheit ist zentral, weil rechte Handlung rechtes Urteil ueber Mittel verlangt.
- Die theologischen Tugenden ordnen den Menschen ueber rein natuerliches Glueck hinaus.
Ethik
Gesetz
Gesetz ist eine Anordnung der Vernunft fuer das Gemeinwohl, erlassen von legitimer Autoritaet und bekanntgemacht.
Diese Definition zeigt, warum thomistisches politisches Denken weder reiner Voluntarismus noch private Intuition ist. Gesetz ist vernuenftig, oeffentlich und auf gemeinsames menschliches Gedeihen hingeordnet.
- Das Naturgesetz ist die Teilhabe des vernuenftigen Geschoepfs am ewigen Gesetz.
- Menschliches Gesetz wendet allgemeine Prinzipien auf konkrete Gemeinschaften an.
- Ein ungerechtes Gesetz kann seinen vollen sittlichen Charakter als Gesetz verfehlen.
Theologie
Gnade
Gnade ist unverdientes goettliches Geschenk, das das Geschoepf heilt und erhebt.
Der Thomismus behandelt Gnade nicht als Rivalin der Natur. Gnade setzt ein geschaffenes Subjekt voraus, vollendet seine Kraefte und erhebt die Person auf ein uebernatuerliches Ziel, das Natur allein nicht erreichen kann.
- Heiligmachende Gnade begruendet eine neue Lebensweise in der Seele.
- Gnade hebt Freiheit nicht auf, sondern befaehigt freieres Handeln auf das hoechste Gut hin.
- Das Verhaeltnis von Natur und Gnade ist Erhoehung, nicht Ersetzung.
Verwandt
Tugend und Seligkeit
Theologie
Teilhabe
Geschoepfe besitzen begrenzte Vollkommenheiten, indem sie sie empfangen und nicht aus sich selbst hervorbringen.
Teilhabe hilft dem Thomismus, zugleich von Aehnlichkeit und Abhaengigkeit zu sprechen. Ein Geschoepf ist wirklich gut, weise oder seiend, aber nur durch Anteil an Vollkommenheiten, die Gott in hoeherer Weise zukommen.
- Teilhabe schuetzt vor Pantheismus und vor radikaler Trennung zugleich.
- Sie erklaert, warum geschaffene Guete wirklich und doch endlich ist.
- Der Begriff traegt Analogie, Kausalitaet und die Lehre von der Schoepfung.